Archiv für: Dezember 2010

13.12.10

Wie sind meine Chancen?

Wenn wir vor einer Aufgabe stehen, laufen bei uns auch interne Prozesse ab, z. B. eine automatische Einschätzung der Situation und ein Vorauserleben der vermutlich eintretenden oder angestrebten  Abläufe. Gleichzeitig aber auch immer eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten, z.B., wie wahrscheinlich es ist, dass die Sache so oder anders ablaufen wird. Diese Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten beruht zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil aus eigenen Erfahrungen und Erfahrungen anderer Menschen, von denen man gehört hat. Das kommt aus dem Bestreben, selbst in die Zukunft größt-mögliche Sicherheit für uns hineinzutragen, obwohl das auch leicht an der Realität vorbeigehen kann, weil der Sachverhalt vielleicht doch nicht so ist, wie er von uns eingeschätzt oder interpretiert wird. Auch wegen dieser Unsicherheit ist es manchmal gar nicht so abwegig, die Deutung der Zukunft in vollem Bewusstsein und nach eigenen Wunschvorstellungen vorzunehmen: also vorab den gewünschen Verlauf selbstbewusst zu "bestimmen" und auch zu erwarten. Das macht Spass und man ist tatsächlich interessiert zu beobachten, ob der Verlauf sich dann nicht doch so ergibt, wie gewünscht.

10.12.10

Selbstkonditionierungs-Test

Wenn Sie in nächster Zeit irgendwas Belastendes oder Unangenehmes Tun oder über sich ergehen lassen müssen, gönnen Sie sich vielleicht daraufhin und vorher eine entlastende  Selbstkonditionierung! Das ist zum Einen eine spielerische Gedankenablenkung oder "Gedankenmilderung", zum Anderen öffnet es eine Tür in die Richtung, dass  anderes, angenehmeres Erleben nicht mehr sicher ausgeschlossen ist, also tatsächlich eine Chance bekommt, in Erscheinung zu treten. Beispiel: Erickson soll einmal bedroht worden sein, verprügelt zu werden ( etwa:"Ich werde Dir jetzt eine ordentliche Tracht Prügel verpassen"). Dem "Agressor" äußerlich von vorne herein deutlich und offensichtlich unterlegen, nutzte er seine Erfahrung und seine Menschenkenntnis, indem er nur sagte:"Vielleicht". Dadurch war der Andere schließlich so verunsichert, dass er sein Vorhaben nicht wahr machte. An diesem Beispiel sieht man klar, wie hier eine neue Wahrscheinlichkeit ins Geschehen gelassen wird, ohne gleichzeitig Sicherheit versprechen zu müssen. Aber Letzteres muß zu dem Zeitpunkt auch garnicht sein, weil diese zusätzliche , neue Option trotzdem wie ein dünner Keil wirkt und sogar  schnell zu einem dicken Keil werden kann, wenn der Empfänger dies (bewusst oder unbewusst) zulässt. -  Treiben also auch Sie in ihrer Sache einen Keil zwischen sich und der gemeinten Angelegenheit hinein und erleben vielleicht dadurch eine erfrischende Überraschung! Was spricht dagegen? Dieser Keil könnte z.B. ein Satz sein, den Sie, der Situation entsprechend angepasst, mehrmals für sich wiederholen und dann in offener, vielleicht sogar mit einer gewissen zuversichtlichen,inneren Haltung beobachten, was da kommen mag. Selbst, so meine Erfahrung, wenn Sie den Vorgang danach vergessen, ist das garnicht schlimm, ja manchmal auch förderlich, weil man auch verkrampft abwarten könnte. In jedem Fall werden Sie sich nach dem befürchteten Moment erinnern, sich bewusst werden und mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Veränderung des ursprünglich Erwarteten bestätigen können. So ein Satz, der von Ihnen wiederholt werden würde, könnte etwa so lauten: "Wenn ich .....(Tun/Erleben)..., kann es durchaus sein, dass dies ganz überraschend gut/angenehm für mich ist". Seien Sie bei der Satzgestaltung ruhig kreativ und lassen Sie sich dabei von guten Gefühlen leiten, dann gelingt es.

04.12.10

Vertrauen oder Kontrolle?

Ich glaube, dass nirgends das Thema Vertrauen so schwierig ist, wie wenn es sich um das Vertrauen für etwas Zukünftiges handelt. Und wenn es sich obendrein um etwas handelt, was nicht absolut üblich und naheliegend ist, dann wird es noch einmal schwieriger. Und: Eigentlich ist Vertrauen etwas, was m. E. entgegengesetzt zur Kontrolle steht. Kontrolle kann uns Sicherheit geben, Vertrauen hat etwas Vages/Unbestimmtes an sich und entzieht sich sebst jeder "vorauseilenden" Kontrolle. Eigentlich trifft der Satz:" Entweder man hat Vertrauen oder nicht!" den Kern unseres Verhältnisses zum Vertrauen. Also entweder es ist da oder nicht? Na ja-, Vertrauen kann auch wachsen. In manchen Ehen war das z. B. früher so, in "gestifteten" oder "arrangierten". Mit Hypnose kann man Vertrauen auch leicht in Verbindung bringen: Da ist das Vertrauen des Klienten in den Hypnotiseur und da ist das Vertrauen des Hypnotiseurs in den Klienten. Und Beide vertrauen auf das Können und die Erfahrung des Hypnotiseurs. Diese Erfahrung und das Können bilden (hoffentlich) eine Art von Kontrollrahmen, in dem sich das vertrauengetragene Hypnoseverhalten abspielen kann. Und dieser Kontrollrahmen kann, je nach Persönlichkeit des Hypnotiseurs, enger oder weiter sein, bei Wenigen scheint so ein Rahmen sogar garnicht zu existieren. Bei Erickson war dieser Rahmen mindestens weit offen oder wenigstens an überraschenden Stellen ungewöhnlich weit offen: ich erinnere mich u.a. daran, gelesen zu haben, dass er bei "resistenten" Kliemten/Probanden voller Vertrauen eine tiefe Hypnose hervorrufen konnte, indem er eine tief hypnotisierte Person in das Behandlungszimmer führte und selber das Zimmer für eine selbst ausgedachte Zeit verließ. Dadurch "übertrug" sich offensichtlich die Hypnose in mehreren Fällen erfolgreich auf die verdutzten Klienten und von Resistenz war nichts mehr zu sehen.- Dieses Verhalten basierte m.E. auf "solidem" Vertrauen, d.h. gewachsenem Vertrauen, gewachsenen aus seiner unglaublichen Anzahl von selbst durch-geführten Hypnosen. Dazu hat er aber sicher anfangs immer wieder Momente durchlebt, in denen es ganz ohne Kontrolle gehen musste, weil er Neuland betrat, bezw. betreten musste, wenn er bessere, andere Erkenntnisse finden wollte. Demnach würde ich sagen, dass an jedem (Neu-)Anfang  Vertrauen stehen muss, nicht Kontrolle.

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