Archiv für: November 2010

16.11.10

Umweg Hypnose?

Vor M.H.Erickson war die "autoritäre" Hypnose an der Tagesordnung, war aber in vielen Fällen erfolglos, weil sie nicht "kompatibel" genug war. Schaut man aber auf die Tatsache, dass doch auch Erfolge da waren und auch heute noch da sind, kann man sich zu recht fragen, wieso Erfolge auf diese Art möglich sind. Nun kann man zuerst natürlich das Über- und Unterordnungsverhältnis zwischen den Beteiligten hervorheben. Das muss aber m. E. nicht immer die Ursache sein. So kann es doch durchaus eine Akzeptanz "auf Augenhöhe" (aus welchen Gründen auch immer) zwischen Hypnotiseur und Klienten geben. Eine andere Möglichkeit könnte auch sein, dass in einigen Fällen eigentlich gar keine Hypnose nötig ist und hypnotische Wirkungen unmittelbar durch eine klare Aufforderung ausgelöst werden. Das würde aus meiner Sicht z. B. da funktionieren, wo Vertrauen in den Hypnotiseur und, gleichzeitig, ausreichend Selbstvertrauen vorhanden wäre. Ich habe damit gelegentlich experimentiert und manches verblüffende Ergebnis bekom- men! Mir sieht es so aus, dass eben auf verschiedensten Wegen "hypnotische Wirkungen" bewirkt werden können, auch ohne Hypnose, weil ganz einfach das menschliche Potential  dabei angesprochen wird. So gedacht könnte man sagen, dass Hypnose manchmal ein Umweg zum Potential ist.

08.11.10

Was will ich anerkennen? (1)

Viele Untersuchungen und Erfahrungen (auch aus der Hypnose) haben ergeben, dass unser Gehirn nicht unterscheidet zwischen "Realität" und innerer Vorstellung. Das heißt faktisch, dass wir Menschen eigentlich die freie Wahl haben, auf welche der beiden Bereiche wir uns, von Fall zu Fall, mit unserer Aufmerksamkeit ausrichten wollen. Diese Freiheit wird von uns allerdings selten erkannt und noch weniger genutzt und wenn doch, dann oft aus einer besonderen Situation heraus und weitgehend unbewusst. Durch diese Umstände erkennen wir statt dessen so nebenbei das als Realität an, was nun mal als "greifbare Wirklichkeit" da ist und versuchen uns durch Anpassung an diese Realität heil durchzubringen. Wie gesagt, unser Gehirn wundert sich dabei vielleicht, warum wir diesem Bereich für und mit unsere(r)  Aufmerksamkeit den Vorzug einräumen. Nun kann man natürlich entgegen-halten, dass man die Realität unmöglich einfach wegdenken kann. Aus eigener Erfahrung und aus Berichten und Erzählungen Anderer weiss ich, dass sehr wohl an dieser Realität immer "gerüttelt" werden kann. Nehmen wir erst mal die typische Situation der nackten Not: Ein Mann erzählte mir, dass er einmal finanziell extrem in der Klemme war und deshalb sehr glücklich war, dass er im letzten Moment einen 1-Tages-Beratungsauftrag bekam. Alles passte, der Auftrag wurde zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten durchgeführt und der Berater durfte sofort seine Rechnung ausstellen. Aber- dann ließ der Auftraggeber durchblicken, dass er erst NACH SEINEM 4-WOCHENURLAUB überweisen würde, dann aber sofort. Statt jetzt alle Hoffnung zu verlieren, versuchte der Berater instinktiv, Zeit zu gewinnen (er verwickelte den Auftraggeber in ein längeres Gespräch über Dies und Das) und stellte sich innerlich immer wieder vor,dass er nur eine einzige Lösung akzeptieren wollte, dass er sich letztlich mit einem Bar-Scheck in der Hand vom Auftraggeber verabschieden würde. Obwohl der Auftraggeber soeben noch mehrfach betonte, er wolle auf keinen Fall sofort zahlen, nahm das Gespräch doch nach etwa 20 Minuten den Verlauf, dass der Auftraggeber plötzlich und abrupt fragte, wie hoch denn der Scheck ausgestellt werden müsse, schrieb ihn aus und die Beiden verabschiedeten sich. Nachdem der Berater das Geld bei der Bank abgeholt hatte, rief ihn der Scheckaussteller an und fragte ihn geradeheraus, was er mit ihm gemacht hätte, denn eigentlich hätte er den Scheck doch auf jeden Fall erst viel später ausstellen wollen.--Gibt es im Moment irgendwas, was Sie, liebe Leserin, lieber Leser, anders haben wollen? Wie sähe dann Ihr Wunschergebnis aus, wie wären die Umstände, wenn alles so käme, wie von Ihnen herbeigesehnt? Stellen Sie es sich immer wieder vor und fühlen Sie sich immer wieder da rein (!) dann hat diese Vision eine hohe Wahrscheinlichkeit, sich zu verwirklichen!  

04.11.10

Was denkt der Hai?

Ich habe einmal gelesen, dass Haie kurz vor dem Zubeißen die Augen schließen. Ehrlich gesagt, hätte ich sowas am allerwenigsten von einem Hai erwartet! Was denkt der sich dabei? Denkt der etwa "Augen zu und durch"? Vielleicht wissen wir mehr, wenn wir seine Mimik beim Biss genauer studieren? Oder sollten wir versuchen, Etwas aus der Biss-Stärke über seinen momentanen, seelischen Zustand herauszufinden? Ich weiss es nicht.  Im menschlichen Bereich hat das Augen-Verschließen ja auch eine große, symbolische Bedeutung, ähnlich wie das absichtliche Wegsehen. Beides kann  u. a. gut eingesetzt werden, wenn man sozusagen der Wirklichkeit entfliehen will, und sei es nur für einen kurzen Moment. Aber es kann auch so sein, dass so ein Wegsehen auch ein Vorbeisehen ist, ein Übersehen. Oft kommt es doch vor, dass unsere Geisteshaltung uns zu solchen Fehlleistungen verführt, weil wir es einfach nicht besser wissen in dem entscheidenden Moment. Beispielsweise können da schnell Unfälle passieren, wenn ein Auto kommt, wo man üblicher Weise gar kein Auto erwarten dürfte. Ein solcher Vorgang ist im hypnotischen Bereich die Unterbrechung eines normaler Weise als Einheit gedachten Vorgangs, die dann wiederum z. B. gut zur Induktion einer Hypnose genutzt werden kann. Die Hand-Schüttel-Induktion von M.H.Erickson ist dazu ein wundebares Beispiel. - Worauf ich aber hinaus will ist, darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, unser übliches Denken und Verhalten immer wieder daraufhin zu prüfen, ob da nicht doch in dem einen oder anderen Fall eine "Abbiegung", eine Pause oder sonstwas Anderes möglich sein könnte, was bessere Ergebnisse für uns ermöglichen würde. Viele inzwischen negative Automatismen könnten so abgebrochen oder mit anderem Verhalten neu verknüpft werden und neue Wege öffnen. Vielleicht müssen dann Gewalttätigkeiten nicht mehr sein, vielleicht gibt es dann im Einzelfall nicht nur das Entweder-Oder, sondern jede Menge Zwischenlösungen? Und vielleicht setzt ganz neues Denken ein mit ganz überraschenden Ergebnissen? Sprinter haben zwar lange gebraucht, die Möglichkeit zu akzeptieren, dass die 100-Meter-Strecke auch unter 10 Sekunden möglich ist, aber dann konnten es Alle denken.--Und was den Hai angeht: vielleicht will er doch einfach nicht sehen, was er da anrichtet und konzentriert sich in dem Moment mehr auf seinen Geschmacksinn? Wer wollte ihm das verdenken.

02.11.10

Zuversicht vs. Stress

Meines Erachtens kann man Stress nur schwer "packen", wenn man sich gerade in einer solchen Situation einfach so entspannen soll. Im Zusammenhang mit Entspannung kenne ich das nur auf direkte Weise mit Hilfe von Meditation und das nur mit entsprechender Übung. Aber eigentlich geht es ja bei der Behauptung gegen den Stress nur um einen Vorgang überhaupt : Ablenkung der Aufmerksamkeit, d. h. im Ernstfall an was Anderes denken.  Aber auch das will geübt sein, es sei denn, man hat einen Alternativ-Focus der per se schon sehr anziehend wirkt. Das kann natürlich bei jeder Person etwas Anderes sein, sollte aber Etwas sein, was es der anwendenden Person sehr leicht macht, sich jederzeit ganz und gar darauf einzulassen und gleichzeitig wirklich alles Andere rundum zu vergessen. Am besten ist es wohl, solche vermeintlich gut passenden Alternativen im Einzelfall, ganz konkret und praktisch auszuprobieren. Der andere Weg wäre, sich solches Verhalten mit so einer Art therapeuthischer Methode anzutrainieren, so lange, bis es klappt. Erickson hat oft dem Weg den Vorzug gegeben, der der natürlichere war und es dem Individuum erlaubte, sich selbst bei der Problemlösung mit einzubringen. Dies vor allem, weil das ganz einfach eine höhere Erfolgsgarantie mit sich brachte und bringt. Das würde m. E. also mehr dafür sprechen, sich einen u. U. sehr persönlichen Alternativ-Focus zu suchen, egal, ob das dann etwas Skuriles oder Fantastisches ist. Versuchen Sie es, wenn Ihnen das zusagt. In jedem Fall empfehle ich Ihnen, etwas zu bevorzugen, was auch gleichzeitig Zuversicht bei Ihnen auslöst, weil Ihnen das genügend "Schwung" gibt, sich aus der Umklammerung der jeweiligen Stress-Situation herauszulösen. Wenn man so will, bedeutet das: Mit Zuversicht gegen Stress. 

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