Archiv für: Oktober 2008

12.10.08

Stress, hypnotisch betrachtet (1)

Der von Hans Selye geprägte Begriff „Stress“ beschreibt eine Reaktion des Menschen auf übermäßige Belastungen oder lebensgefährliche Situationen. Nach seinen Erkenntnissen, die er 1936 in seiner Schrift „Allgemeines Adaptionssyndrom“ darstellte, folgen  auf solche Situationen nacheinander drei Reaktionen:

Leider Urheber nicht bekanntAlarmreaktion:
Der Blutzuckeranteil steigt, damit mehr Energie zur Verfügung steht, das Immunsystem  wird gedrosselt.

Widerstandsstadium:
Sämtliche Körperprozesse laufen für eine Abwehr-Reaktion auf Hochtouren.

Erschöpfungsstadium:
Bleibt eine belastende oder gefährliche Situation bestehen oder tritt keine Heilung ein, ist Erschöpfung die Folge. Anpassungs- und Koordinationsprobleme entwickeln sich, das Leben wird verkürzt.


Beobachtungen und Erkenntnisse in die gleiche Richtung hatte auch Walter Cannon mit seiner „Fight or Flight“-Theorie, in den Jahren 1914 und 1932. Laut dieser Theorie reagieren die Menschen auf hohe physische und psychische Belastungen mit einem Kampf- oder Fluchtreflex, alles begleitet mit entsprechenden körperinternen Vorgängen.

Aus all dem möchte ich nun als wesentliche Erkenntnisse festhalten:
Wird eine Situation als sehr belastend oder gefährlich erkannt und eingestuft, laufen automatische und körpereigene Prozesse ab, die uns entsprechend für Kampf oder Flucht vorbereiten. Besteht aber eine friedliche Situation von dennoch hoher Dauerbelastung, entfällt die Ausrichtung auf Kampf, weil sie hier ungeeignet wäre. Stattdessen müssten die Möglichkeiten von Flucht oder Anpassung zur Wahl stehen. Bei der Entscheidung für Anpassung müsste dann Stress entfallen.

So funktioniert das aber nicht. Leider. Kampf und Flucht sind ja offensichtlich Relikte aus grauer Vorzeit und wirken völlig deplaziert, unzeitgemäß. Da es sich um automatische, unbewusst ablaufende Programme handelt, taucht die Frage auf, ob und ggf. wie hier Einfluss genommen werden kann. Wird eine Situation z.B. als Lebensgefahr eingestuft, ist die automatische Körperreaktion eine Folge der eigenen Beurteilung. Deshalb können unerkannte, lebensgefährliche Situationen zwar radikale Folgen haben, lösen aber mit Sicherheit keinen Stress aus! Eine solche Betrachtungsweise wurde auch von Richard Lazarus verfolgt und fand Ausdruck in seinem „Transaktionalen Stressmodell“ (1974). Danach ist Stress beeinflussbar durch  die persönliche Einstellung und die Erfahrungen einer Person.

Fazit:
Da also die körperinternen Vorgänge bei Stress unbewusster Natur sind und ihre Aktivierung von der persönlichen Einstellung bzw. Erfahrung einer Person abhängig zu sein scheinen, liegen m. E. zwei Gründe vor, die den Einsatz von Hypnose sinnvoll erscheinen lassen:

a) Mit Hypnose besteht die Möglichkeit, unbewusste Prozesse direkt zu beeinflussen
b) Einstellungen können angemessen umgestaltet werden, sodass kein Stress mehr durch scheinbar sehr belastende oder gefährliche Situationen ausgelöst werden kann.

09.10.08

Spiegel-Geschichte Nr. 9: "Verkaufsbewusstsein"

In einem Supermarkt, auf dem Mittelgang zu den Verkaufsregalen, war ein Extra-Verkaufsstand aufgebaut. Dahinter stand eine junge Frau mit Adleraugen. Sie schaute jeden Kunden, der in ihre Nähe kam, direkt und auffällig intensiv an. Dieser Blick hatte für mich etwas Forderndes an sich. Dass ich nicht alleine so empfand, wurde dadurch bestätigt, dass sich nur wenige Kunden über den Mittelgang bewegten und lieber einen weiten Bogen um den Stand in der Mitte machten. Ihre Frage, ob mich das von ihr vorgestellte alkoholische Getränk interessieren würde, beantwortete ich mit „Vielen Dank, nein“ und ging meiner Wege. Ein kurzer Blick zurück, nach ein paar Metern, lies mich erkennen, dass die Frau jetzt ziemlich wütend auf mich war.

Während des weiteren Einkaufs musste ich öfter an die wütende Frau denken und ich ging zum Schluss noch einmal zu ihr hin. Ich fragte sie einfach geradeaus, warum sie so wütend würde, wenn man einen Kauf bei ihr ablehnte. Offensichtlich überrascht, brauchte sie einen Moment um sich zu sammeln. Dann erklärte sie mir, dass sie sich durch jede Ablehnung persönlich verletzt und beleidigt fühlte. Während sie so zu mir sprach, wurde sie nachdenklich. Offensichtlich nahmen auch viele Kunden ihre kontraproduktive Einstellung schnell wahr und gingen deshalb lieber gleich auf Distanz - Jetzt schien ihr Einiges zu dämmern.

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